Pädiatrische Fortbildung
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Elternfragen



In dieser Rubrik erläutern wir in loser Folge und anschaulicher und verständlicher Form
häufig verwendete Fachbegriffe aus der pädiatrischen und pädagogischen Praxis.


1. Was ist eigentlich ADHS und ADS ?
 
Mit diesen Abkürzungen bezeichnet man Aufmerksamkeitsstörungen von Kindern, die nicht nur
eine "Modeerscheinung" sind,
sondern Verhaltensweisen als Krankheitsbilder benennen,
die man
schon seit langer Zeit kennt.

Unter ADHS versteht man die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung,
unter ADS eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung
.

Die Diagnose ADHS oder ADS bedeutet nicht zwingend eine hemmende Entwicklungsstörung
des Kindes, sondern kann auch eine Chance sein, sich in ganz besonderer Weise zu entwickeln.

Viele Personen der Zeitgeschichte, von denen man heute weiß, dass sie im Kindesalter unter Aufmerksamkeitsstörungen der gleichen Art litten, trugen berühmte Namen, zum Beispiel:

von Aquin,
van Beethoven,
Darwin,
Einstein,
Mozart
Leibniz 


Einige Eltern werden aus ihrer eigenen Kindheit den "Struwwelpeter" noch kennen.
Der Arzt Heinrich Hoffman schrieb diese Geschichte vor mehr als 150 Jahren als Geschenk für seinen
damals dreijährigen Sohn. Es störte ihn, dass es für Kinder dieses Alters keine Bücher gab, die ihre Welt
so beschrieben, wie sie war.




"Gegen Weihnachten des Jahres 1844, als mein ältester Sohn drei Jahre alt war, ging ich in die Stadt,
um demselben zum Festgeschenke ein Bilderbuch
zu kaufen, wie es der Fassungskraft des kleinen menschlichen Wesens in solchem Alter entsprechend schien. Aber was fand ich? Lange Erzählungen
oder alberne Bildersammlungen,
moralische Geschichten, die mit ermahnenden Vorschriften begannen
und schlossen, wie:
"Das brave Kind muss wahrhaft sein!" oder auch "Brave Kinder müssen sich reinlich halten!"
... und so weiter."


Dr. Heinrich Hoffman waren schon damals kindliche Verhaltensweisen bekannt, die auch heutige Eltern
oft als
"ungezogen" erleben, und als deren eigentliche Ursache man nun eine Störung der kindlichen
Aufmerksamkeit und Aktivität erkannt hat.
Zwei bekannte Figuren aus dem "Struwwelpeter" sind der „Zappelphilipp“ und der „Hans guck in die Luft“.





                                   





Beiden ist ein kindliches Verhalten (Unruhe, Tagträumerei) eigen, das genau zum klassischen Bild
der Diagnose „ADHS“ bzw. „ADS“ passt.

Eltern, die ein solches oder ähnliches Verhalten bei ihrem Kind
bemerken, wenden sich zunächst
um Rat und Hilfe an Lehrer, Erzieher und den Arzt ihres Kindes.

In unseren Elternkursen treffen sich die Eltern betroffener Kinder in Form von Selbsthilfegruppen nach
einem solchen vorausgegangenen Gespräch.
Wir bieten Ihnen in unserem Zentrum die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern über alltägliche Probleme,
die mit der Diagnose ADS bzw ADHS auf Sie und Ihre Familie zukommen können, auszutauschen.

Diagnosen oder Therapieempfehlungen werden hierbei nicht erstellt, da diese allein den Ärzten und
Therapeuten vorbehalten sind.

Einzelheiten zu den Informationsmöglichkeiten für Eltern finden Sie unter dem Menüpunkt
Flehmig Fortbildung über den Button Elternkurse.






2. Was kann denn die Osteopathie?



Allgemeines - was, warum und wie?


Kinder sind, wie man so sagt,  hart im Nehmen, sind sehr beweglich und bewegungsfreudig und verkraften Unfallerleben teilweise mühelos. Ihr Bewegungsapparat ist sehr anpassungsfähig, dabei werden z.B. Sturz- oder Stoßverletzungen am Steißbein, der Hüfte, dem Knie oder am Fuß kompensiert durch schmerzlindernde Fehlhaltungen der Wirbelsäule oder des Beckens. Nach Ausheilung der primären Verletzung allerdings bleiben die antrainierten Kompensationsmuster oftmals bestehen und rufen auf Dauer eine schädliche Fehlhaltung hervor, z.B. ein scheinbar verkürztes Bein oder eine Beckenrotation. Diese Fehlhaltung wird dann zuweilen durch orthopädische Hilfsmittel - wie etwa Schuheinlagen - behandelt und damit quasi „verankert“.
Gelangt das Kind/ der Jugendliche dagegen nach einer solchen Verletzung in osteopathische Behandlung, so wird gezielt nach der Ursache für eine Kompensationskörperhaltung gesucht und diese beseitigt.
Osteopathische Therapie ist eine sanfte nicht invasive Behandlung, sie verursacht keine Schmerzen und bedient sich keiner Medikamente. Nebenwirkungen sind somit ausgeschlossen. Osteopathen arbeiten Hand in Hand mit Hebammen, Ärzten, Krankengymnasten, Logopäden, Ergotherapeuten und anderen Therapeuten.


Indikationen für eine osteopathische Untersuchung und Behandlung von Säuglingen

Diese liegen in folgenden Fällen vor:

1. bei pränatalen ungünstigen Faktoren für die Entwicklung des Kindes

2. direkt nach der Geburt bei
- Frühgeburten, Übertragungen
- medizinischen Interventionen
- zu langwierigen oder zu schnellen Geburten
- Geburtskomplikationen
- Mangel an Bonding (Beziehung zwischen Mutter und Kind)

3. Wenn das Kind eine nächste Entwicklungsstufe erreicht und man (Mutter, Arzt, Therapeut) den Eindruck gewinnt, es laufe etwas nicht normal, bliebe ganz aus, z.B. die Kopfkontrolle, das Sitzen-, Krabbeln-, Stehen-, Laufen lernen.

4. Nach jedem Sturz - sowie starken Verletzungen oder heftigen Stößen


Zu 1: Ungünstige pränatale Faktoren
Hierzu zählen belastende Einflüsse auf das Ungeborene während der Schwangerschaft wie z.B..
- Ungewollte Schwangerschaft
- Alkohol oder Drogenkonsum
- Medikamente und andere Noxen
- Unfälle
- Ernährungsfehler
- Stress (bei der Arbeit, in der Familie, infolge von Verlust von Verwandten)


Zu 2: Ungünstige Faktoren während oder direkt nach der Geburt:
Hierzu zählen
- Medikamente
- Frühgeburten, Übertragungen
- Geburt mit medizinischer Intervention (Kaiserschnitt, Saugglocken- oder Zangengeburt)
- Verkürzter oder verzögerter Geburtsvorgang
- andere Komplikationen während der Geburt
- Mangel an Bindung zwischen Mutter und Kind (bonding)
- nicht intaktes familiäres Umfeld (alleinerziehende Mutter, soziale Probleme u.a.)
- pränatale oder Geburtstraumen
- ungünstige Lebensbedingungen (Rauchen, Gewalt, Lärm, Mangelernährung)
-

Zu 3: Entwicklungsprobleme beim Säugling, die eine osteopathische Behandlung ratsam machen:

Hierzu zählen die Folgen von
- Schieflagen, Steißlagen, Beckenendlagen des Säuglings während der Schwangerschaft und unter der  
  Geburt
- langen und erschwerten Geburten oder Sturzgeburten - wie auch Übertragung oder Frühgeburten
- Kopf- und Gesichtsasymmetrien, asymmetrischer Bewegungen/Bewegungsmuster der Arme und Beine
- Schiefhals, Wirbelkompression, Opistothonus (Nackensteifigkeit und Überstreckung des Rückens)

sowie ganz allgemein
- Saug- und Schluckschwierigkeiten
- Vermehrtes Spucken bzw. Reflux
- Bauchschmerzen und Drei-Monatskoliken
- über Monate persistierende Säuglings-Reaktionen



Die osteopathische Untersuchung direkt nach der Geburt

Ein während der Geburt erlittenes Schädel/Spinaltrauma bedarf meist einer osteopathischen Korrektur, auch wenn Eltern oft zu hören kriegen, das „wachse sich von allein heraus.“
Mütter dieser Kinder erhalten während der osteopathischen Untersuchung des Kindes Ratschläge dazu, wie sie das Kind aufheben, halten, lagern sollten, letzteres ist besonders wichtig bei vorhandenen Gesichts- oder Schädelasymmetrien.

Kinder werden in unserer Gesellschaft zunehmend auf eine nicht natürliche Art geboren, allein durch
einen Kaiserschnitt kommen heutzutage in Deutschland mehr als 20% der Babies zur Welt.

Die Folgen einer solchen Geburt können vielfältig sein. Die Akkomodation des kindlichen Schädels infolge des Drucks beim Weg durch den Geburtskanal entfällt, es bleibt zuweilen der erste selbstständige Atemzug nach der Geburt aus. Häufig ist die Lunge außerdem durch die fehlende Kompression, die nur beim natürlichen Weg durch den Geburtskanal auf den Körper einwirkt, noch vermehrt mit Flüssigkeit gefüllt und muss abgesaugt werden.

Oft sind die Kinder auch von der Geburt geradezu überrascht, d.h., der kindliche Organismus ist nicht durch Wehentätigkeit und Geburtsvorgang auf das Leben vorbereitet. Andauernde Schreckhaftigkeit (persistierende Moro-Reaktion) und Reizüberempfindlichkeit können die Folge sein. Eine solche Überstimulation des Nervensystems wirkt sich ungünstig auf die Entwicklung des Kindes aus, Dysfunktionen sind oft im Übergang zwischen Schädel und erstem Wirbelkörper(Co-C1-Gelenk) zu finden. Hieraus können Probleme beim Trinken und Saugen - wie vermehrtes Spucken und andere gastroösophagale Symptome entstehen. Dysfunktionen in diesem Gelenk - wie auch solche im Bereich der Hinterhauptsknochen, die nach der Geburt unbehandelt bleiben, können Fehlhaltungen des Kopfes und Funktionsstörungen der Halswirbelsäule hervorrufen, die zu einem späteren Zeitpunkt im Leben des Kindes oder Heranwachsenden eine evtl. langwierige Therapie notwendig machen.

Einen möglichen kausalen Zusammenhang hat man ferner gefunden zwischen der Kaiserschnittgeburt und gehäuften Mittelohrentzündungen im Kindesalter.



Die osteopathische Untersuchung im Kindes- und Jugendalter

Ein Osteopath betrachtet Ihr Kind aus einer ergänzenden Perspektive zu der Ihres Kinderarztes. Er ist an allen Ereignissen Ihres Daseins interessiert, die eventuell einen Einfluss auf den jetzigenGesundheitszustand Ihres Kindes haben könnten. Deshalb werden Sie als Eltern auch zu eventuellen Unfällen, Operationen und Krankheiten im Leben Ihres Kindes befragt. Mitgebrachte Unterlagen wie etwa Blutbild, Röntgenbilder oder MRT werden betrachtet- wie auch die Diagnosen behandelnder Ärzte und die Vorgehensweise anderer Therapeuten mit einbezogen.
Eine osteopathische Untersuchung findet im Stehen, Sitzen und Liegen statt, das Kind wird dafür entkleidet bzw. zieht sich selbst bis auf evtl. die Unterwäsche aus. Begutachtet und untersucht wird es auf Symmetrie, Beweglichkeit, Haltung, Rotationen und Auffälligkeiten jeglicher Art.
Dabei haben auch muskulo/skelettale wie viscerale (organbezogene) und cranio-sacrale (Schädel-/Kreuzbein-Mobilität, Membranen- und Flüssigkeitsbeweglichkeit) Erkenntnisse des Osteopathen an der folgenden Therapie entscheidenden Anteil.
Die Osteopathie ist eine Form der komplementären Medizin und ersetzt NICHT die ärztliche Betreuung


Umfang und Dauer der Behandlung

Umfang und Dauer einer osteopathischen Behandlung sind individuell.
Manchmal ist ein Problem bereits nach 1-3 Behandlungen beseitigt, wenn die Therapie frühzeitig einsetzte. Hat der Körper des Patienten hingegen bereits diverse Kompensationsmuster gefunden, bedarf es oft der häufigeren Behandlung über einen längeren Zeitraum, um diese aufzulösen.
Jeder Mensch reagiert auf die Behandlung in seiner persönlichen Weise, sollte nach 4-5 Behandlungen keine objektive Besserung eingetreten sein, so wäre die therapeutische Herangehensweise zu überdenken und in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten evtl. eine andere Behandlung oder möglicherweise ein operativer Eingriff in Erwägung zu ziehen.

 



Die Philosophischen Säulen - Grundgedanken der Osteopathie

1. Struktur und Funktion bedingen einander

2. Selbstheilungskräfte: Im menschlichen Organismus gibt es eine angeborene natürliche Lebenskraft, die alle Funktionen des Körpers reguliert. Im Laufe des Lebens kann es zu Beeinträchtigungen dieser natürlichen Kraft kommen, sodass der Mensch „aus dem Gleichgewicht gerät“. Ein Osteopath hat die Aufgabe, diese Beeinträchtigungen aufzuheben, sodass der Körper die eigene Heilung selbst zu vollbringen vermag.

3. Der Körper als Einheit. Ein menschlicher Organismus ist keine Anhäufung einzelner Funktionsbereiche, sondern basiert auf einer Verbindung aller Organ- und Lebenssysteme.

4. Die Durchblutung. Die Beweglichkeit aller Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe, Liquor, Sekrete, Neurotransmitter) innerhalb ihrer Bereiche beeinflusst den Heilungsprozeß.

5. Mensch vor Symptom. Der Patient in seinen individuellen Vorgaben und Möglichkeiten steht an erster Stelle, nicht seine Krankheit.

 




 

 
 
 

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